
Liedtexte des Vormärz und der Revolution von 1848
| Die Gedanken sind frei, 1780/1820 | Fürst und Büchlein, um 1830 | Das Bürgerlied, vor 1845 | Oh König von Preußen, um 1800 |
| Brüder so kann's nicht gehn, um 1825 | Fürsten, zum Land hinaus!, vor 1832 | Die Weber (Heine 1845) | Das Blutgericht, 1844 |
| Hungerlied, 1844 |
Bürgermeister
Tesch, 1844 |
Herr Biedermeier, 1846? |
Das Lied der
Deutschen 1841 |
| Schwarz-Rot-Gold, März 1848 | Ich bin ein guter Untertan, 1848 | Trotz Alledem 1843/48 | Heckerlied, 1848/49 |
| Was zieht dort zur Brigittenau im blutigen Morgenrot 1849 | Mein Deutschland strecke die Glieder, Feb. 1849 | Badisches Wiegenlied 1849 | Es ist wieder März geworden |
| Ausgelitten, ausgerungen hast du endlich deutsches Herz |
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Auswandererlied, um 1840 | Achtzehnhundert vierzig und acht, 1873 |
| Eine gelungene Einführung in die Hintergründe und den Verlauf der Revolution von 1848 findet sich beim Institut für Geschichtliche Landeskunde, Uni Mainz. Sehr gut ist auch die Darstellung des Geschichtsvereins Köngen. |
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Anhören kann man/frau sich die meisten der vorgestellten Lieder auf Lieder des Vormärz und der Revolution von 1848/49 - Mitschnitte einer Veranstaltung der Amateur-Singgruppe "Demokratisches Lied", 1975, Mannheim (Digitalisierte Tonbandaufnahmen im MP3-Format)
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Die Gedanken sind frei! Wer kann sie erraten!
Sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten
Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen
Mit Pulver und Blei. Die Gedanken sind frei;
Ich denke, was ich will und was mich beglücket,
Doch alles in der Still' und wie es sich schicket.
Mein Wunsch und Begehren kann niemand verwehren
Es bleibet dabei: die Gedanken sind frei!
Und sperrt man mich ein im finsteren Kerker,
Das alles sind rein vergebliche Werke;
Denn meine Gedanken, die reißen die Schranken
Und Mauern entzwei: die Gedanken sind frei!
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FÜRST & BÜCHLEIN
(Melodie: "Sah ein Knab ein Röslein stehn..") (Melodie
mp3)
Sah ein Fürst ein Büchlein stehn
In des Ladens Ecken
Ging er rasch, es durchzusehn
Las es noch vorm Schlafengehn
Doch mit tausend Schrecken
Büchlein, Büchlein, Büchlein keck
Aus des Ladens Ecken
König sprach: «Ich unterdrücks
Büchlein aus dem Laden»
Büchlein lachte: «O des Glücks!
Dann liest man mich hinterrücks
Und das kann nicht schaden»
Büchlein, Büchlein, Büchlein keck
Büchlein aus dem Laden
Und der gute Fürst verbot
’s Büchlein in dem Lande
Büchlein aber litt nicht Not
Ging recht weg wie warmes Brot
Ging von Hand zu Hande
Büchlein, Büchlein, Büchlein keck
Büchlein bleibt im Lande
Karikatur: die freudlose Zensur 1847 | |
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Gedicht: Heinrich Heine: Ideen. Das Buch Le Grande
Kapitel 12(1827) |
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Ob wir rote, gelbe Kragen,
Helme oder Hüte tragen,
Stiefel tragen oder Schuh;
Oder Röcke nähen
Und zu Schuhen Drähte drehen,
Das tut, das tut nichts dazu.
Ob wir können präsidieren,
Oder müssen Akten schmieren
Ohne Rast und ohne Ruh;
Ob wir just Collegia lesen,
Oder aber binden Besen,
Das tut, das tut nichts dazu.
Ob wir stolz zu Rosse reiten,
Oder ob zu Fuß wir schreiten
Fürbaß unserm Ziele zu;
Ob uns Kreuze vorne schmücken,
Oder Kreuze hinten drücken,
Das tut, das tut nichts dazu.
Aber ob wir Neues bauen,
Oder Altes nur verdauen,
Wie das Gras verdaut die Kuh;
Ob wir in der Welt was schaffen,
Oder nur die Welt begaffen,
Das tut, das tut was dazu.
Ob wir rüstig und geschäftig,
Wo es gilt zu wirken kräftig,
Immer tapfer greifen zu;
Oder ob wir schläfrig denken;
"Gott wird's wohl im Schlafe schon lenken"
Das tut, das tut was dazu !
Drum, ihr Bürger, drum, ihr Brüder,
Alle eines Bundes Glieder:
Was auch jeder von uns tu ! -
Alle, die dies Lied gesungen,
So die Alten, wie die Jungen,
Tun wir, tun wir denn dazu !
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Oh König von Preußen, Du großer Potentat,
Wie sind wir deines Dienstes so überdrüssig satt!
Was fangen wir jetzt an in diesem Jammertal
Allwo is nichts zu finden als Not und lauter Qual.
Und kommt das Frühjahr an dann ist die große Hitz'
Da muss man exerzieren dass ei'm der Buckel schwitzt.
Da muss man exerzieren von Morgen bis Mittag
Und das verfluchte Leben das währt den ganzen Tag.
Vom exerzieren weg, geht's wieder auf die Wacht,
Kein Teufel tut nicht fragen ob man gefressen hat.
Kein Branntwein in der Flaschen, kein weißes Brot dabei,
Ein schlechtes Tabakrauchen das ist der Zeitvertreib.
Und kommt ein' frisch' Parad', tut man ein falschen Schritt,
Dann hört man es schon rufen der Kerl muss auf den Glied!
Patrontasche runter, den Säbel abgelecht,
Und tapfer drauf geschmissen bis er sich nicht mehr regt.
Ihr Herren nehmt's nicht wunder wenn einer desertiert,
Wir werden wie die Hunde mit Schlägen strapaziert;
Und bringen Sie uns wieder, sie hängen uns nicht auf,
Das Kriegsrecht wird gesprochen: Der Kerl muss Gassen lauf!
Und wann wir Gassen laufen so spielet man uns auf
Mit Waldhorn und Trompeten, dann geht es tapfer drauf.
Da werden wir gehauen von manchem Musketier
Der eine hat's Bedauern, der and're gönnt es mir.
Und werden wir dann alt, wo wenden wir uns hin?
Die Gesundheit ist verloren, die Kräfte sind dahin.
Und endlich wird es heißen, geh' Vogel ohne Nest!
Geh' Alter nimm' den Bettelsack, bist auch Soldat gewest!
Mehr zur preußischen Armee
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Der revolutionäre Dichter
Ludwig Pfau
hat 1847 ein Gedicht mit dem Titel "Herr Biedermeier" verfasst, lange
bevor der Begriff Biedermeier
zum Synonym der vorrevolutionären Epoche wurde. Mehr zur Kultur des Biedermeiers.
Schau, dort spaziert Herr Biedermeier,
Und seine Frau, den Sohn am Arm;
Sein Tritt ist sachte wie auf Eier,
Sein Wahlspruch: Weder kalt noch warm.
Das ist ein Bürger hochgeachtet,
Der geistlich spricht und weltlich trachtet;
Er wohnt in jenem schönen Haus
Und - leiht sein Geld auf Wucher aus.
Regierlich stimmt er bei den Wahlen,
Denn er missbilligt allen Streit;
Obwohl kein Freund vom Steuerzahlen,
Verehrt er sehr die Obrigkeit.
Aufs Rathaus und vor Amt gerufen,
Zieht er den Hut schon auf den Stufen;
Dann aber geht er stolz nach Haus
Und - leiht sein Geld auf Wucher aus.
Am Sonntag in der Kirche fehlen,
Das wäre gegen Christenpflicht;
Da holt er Labung seiner Seelen -
Und schlummert, wenn der Pfarrer spricht.
Das führt ihn lieblich bis zum Segen,
Den nimmt der Wackre fromm entgegen.
Dann geht er ganz erbaut nach Haus
Und - leiht sein Geld auf Wucher aus.
Ach! Wandrer, die gen Westen streben!
Wie rühret ihre Not sein Herz!
Wohl sieht er sammeln, doch zu geben,
Vergisst er ganz in seinem Schmerz.
»Ihr Schicksal ruht in Gottes Händen!«
Spricht er - dann geht er auszupfänden,
Nimmt einem Schuldner Hof und Haus
Und - leiht sein Geld auf Wucher aus.
Den einz'gen, hoffnungsvollen Sprossen -
Denn mehr, das wäre Überfluss -
Den hält er klösterlich verschlossen:
Die Sünde stammt ja vom Genus.
Die Mutter führt ihr Küchlein sittig
Wie eine Henne unterm Fittig;
Sie sorgt für strenge Zucht im Haus
Und - leiht ihr Geld auf Wucher aus.
O edles Haus! o feine Sitten!
Wo jedes Gift im Keim erstickt,
Wo nur gepflegt wird und gelitten,
Was gern sich duckt und wohl sich schickt.
O fromme Bildung! Glaubensblüte,
dass der Besitz dich heg' und hüte! -
Respekt muss sein in Staat und Haus:
Sonst - geht dem Geld der Wucher aus
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BÜRGERMEISTER TSCHECH (mp3)
Heinrich Ludwig Tschech
war ein ehemaliger Bürgermeister von Storkow in Brandenburg), der
am 26. Juli 1844 einen Attentatsversuch auf König Friedrich Wilhelm IV.
verübte.
Er wurde wegen deshalb im Dezember 1844 in Spandau hingerichtet.
War wohl je ein Mensch so frech
wie der Bürgermeister Tschech?
Denn er traf um knapp ein Haar
Unser teures Königspaar
Kaum die Uhr stand auf halb acht
War noch niemand da
der da Schäbiges dacht
Kam der Mann ganz ungeniert
Durchs Portal hereinspaziert
’s Königspaar tritt grad heraus
Sehen beide noch ganz
wie Versoffene aus
Tschech zieht sein Pistol hervor
Schießt dem König fast ins Ohr
Ihm ging’s durch’n Mantel,
Ihr ging’s durch’n Hut.
Ihm ging’s durch’n Mantel
und ihr ging’s durch,
durch und durch durch’n Hut
Ja, der Landesmutter
Schoß er durch mittendurch
und durch durch’n Rock
In das Unterfutter
Von dem Rock, von dem
hochwohlgeborenen Rock.
Hatte je ein Mensch so’n Pech
Wie der Bürgermeister Tschech?
Denn es trug der Bösewicht
Unsern Gott im Herzen nicht
Pocken trug er im Gesicht
Weiter sah man an ihm
was Verdächtiges nicht
Als der König ihn erblickt
Von Gendarmen ganz umstrickt
Dreht er sich zum Volk und spricht:
«Kinder, ick habe nischt
von dem Schuß abjekrischt!»
Dick und fett, es fehlt ihm wenig
Alles brüllt: «Es lebe der König!»
Ihm ging’s durch’n Mantel,
Ihr ging’s durch’n Hut.
Ihm ging’s durch’n Mantel
und ihr ging’s durch,
durch und durch durch’n Hut
Ja, der Landesmutter
Schoß er durch mittendurch
und durch durch’n Rock
In das Unterfutter
Von dem Rock, von dem hochwohlgeborenen Rock
Hatte je ein Mensch so’n Pech
Wie der Bürgermeister Tschech?
Daß er diesen dicken Mann
Auf zwei Schritt nicht treffen kann
Epilog:
Und die Moral aus der Geshicht
Trau keinem Bürgermeister nicht!
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Brüder so kann's nicht gehn
Brüder, so kann's nicht gehn
Lasst uns zusammen stehn
Duldets nicht mehr !
Freiheit, dein Baum fault ab
Jeder am Bettelstab
Beist bald ins Hungergrab
Volk ins Gewehr !
Dann wird's, dann bleib's nur gut
wann du an Gut und Blut
Wagst Blut und Gut.
Wann du Bogen und Axt,
Schlachtbeil und Sense packst,
Zwingherrn den Kopf zerhackst:
Brenn, alter Mut!
Bruder in Gold und Seid,
Bruder im Bauernkleid,
Reicht euch die Hand !
Allen ruft Teutschland's Not
Allen des Herrn Gebot :
Schlagt eure Plager tot
Rettet das Land!
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Text: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Helgoland 26. August 1841 (siehe dazu:
www.deutschlandlied.de )
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zum Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt -
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang -
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach laßt uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand -
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!
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Zwischen dem 4. und 6. Juni 1844 kam es in Schlesien zum Aufstand der Leinenweber. Sie demonstrierten damit gegen ihre katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen, bis der Protest am dritten Tag vom preußischen Militär blutig niedergeschlagen wurde.
Holzstich: Das Weberelend
Hier im Ort ist ein Gericht, viel schlimmer als die Vehme
wo man nicht erst ein Urtheil spricht, das Leben schenn zu nehmen
Hier wird der Mensch langsam gequält, hier ist die Folterkammer
hier werden Seufzer viel gezählt als Zeuge von dem Jammer
Hier Herren Zwanziger die Henker sind, die Diener ihre Schergen
davon ein jeder tapfer schindt, anstatt was zu verbergen
Ihr Schurken all, ihr Satansbrut, ihr höllischen Dämone
ihr freßt den Armen Hab und Gut, und Fluch wird Euch zum Lohne
Ihr seyd die Quelle aller Noth, die hier den Armen drücket
Ihr seyd´s, die ihm das trockene Brot noch vor dem Mund wegrücket
Kömmt nun ein armer Weber an, die Arbeit wird besehen
findt sich der kleinste Fehler dran, so ist`s um Euch geschehen
Erhält er dann den kargen Lohn wird ihm noch abgezogen
zeigt ihm die Thür, und Spott und Hohn kommt ihm noch nachgeflogen
Hier hilft kein Bitten und kein Flehn, umsonst ist alles Klagen
gefällt’s euch nicht, so könnt ihr geh’n, am Hungertuche nagen
Nun denke man sich diese Noth und Elend solcher Armen
zu Hause oft kein Bissen Brodt, ist das nicht zum Erbarmen ?
Erbarmen, ha! Ein schön Gefühl, euch Kannibalen fremde,
und jedes kennt schon Euer Ziel, der Armen Haut und Hemde
O, Euer Geld und Euer Gut, das wird dereinst vergehen
wie Butter an der Sonne Gluth ,wie wird`s dann um Euch stehen
Wenn ihr dereinst nach dieser Zeit, nach diesem Freudenleben
Dort, dort in jener Ewigkeit, sollt Rechenschaft abgeben
Doch ha, sie glauben keinen Gott noch weder Hölle, Himmel,
Religion ist nur ihr Spott, hält sich an´s Weltgetümmel.
Ihr fangt stets an zu jeder Zeit, den Lohn herabzubringen
und andere Schurken sind bereit, dem Beispiel nachzuringen
Der Reihe nach folgt Fellmann jetzt, ganz frech ohn alle Bande
bei ihm ist auch herabgesetzt, das Lohn zur wahren Schande
Die Gebrüder Hoferichter hier, was soll ich von ihn´n sagen
geschindet wird hier nach Willkühr, dem Reichtum nachzujagen
Und hat ja Einer noch den Muth, die Wahrheit Euch zu sagen
so kommt´s soweit, es kostet Blut, und den will man verklagen
Herr Kamlot, Langer genannt, der wird dabei nicht fehlen
Einem jeden ist es wohlbekannt, viel Lohn mag er nicht zählen
Von Euch wird für ein Lumpengeld die Ware hingeschmissen
was Euch dann zum Gewinne fehlt, wird Armen abgerissen
Sind ja noch welche, die der Schmerz der armen Leut beweget
in deren Busen noch ein Herz voll mitgefühle schläget
Die müssen von der Zeit gedrängt auch in das Gleis einlenken
und Eurer Beispiel eingedenk sich in den Lohn einschränken
Ich frage: Wem ist’s wohlbekannt, wer sah vor zwanzig Jahren
den übermüthgen Fabrikant in Staatskarossen fahren?
Sah man wohl dort zu jener Zeit Paläste hocherbauen
Mit Thüren, Fenstern prächtig weit, fast fürstlich anzuschauen.
Wer traf wohl da Hauslehrer an, bei einem Fabrikanten
Mit Livreen Kutscher angetan, Domestiken, Gouvernanten ?
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Die schlesischen Weber (gesungen von Liederjan - youtube)
Gedicht von Heinrich Heine aus dem Juni 1844
Im düsteren Auge keine Träne
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne
"Deutschland wir weben Dein Leichentuch.
Wir weben hinein den dreifachen Fluch!
Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem Gotte zu dem wir gebeten
in Winterskälte und Hungersnöten.
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
man hat uns geäfft, gefoppt und genarrt!
Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
den unser Elend nicht konnte erweichen.
Der den letzten Groschen von uns erpresst
und uns wie Hunde erschießen lässt!
Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem falschen Vaterlande
wo nur gedeihen Schmach und Schande.
Wo jede Blume früh geknickt,
wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt.
Wir weben, wir weben!
Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht.
Wir weben emsig Tag und Nacht.
Altdeutschland wir weben Dein Leichentuch
wir weben hinein den dreifachen Fluch!
Wir weben, wir weben!
Zusatzinformation zu "die Weber" und "Blutgericht" |
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Hungerlied (mp3)
Gedicht von Georg Weerth (1822-1856), das im Jahr 1844 während der Weberaufstände entstand und das Leben in der Zeit des Pauperismus spiegelt
Verehrter Herr und König,
Weißt du die schlimme Geschicht?
Am Montag aßen wir wenig,
Und am Dienstag aßen wir nicht.
Und am Mittwoch mussten wir darben
Und am Donnerstag litten wir Not;
Und ach, am Freitag starben
Wir fast den Hungertod!
Drum las am Samstag backen
Das Brot, fein säuberlich -
Sonst werden wir sonntags packen
Und fressen, o König, dich!
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Schwarz-Rot-Gold (mp3)
zu den deutschen Nationalfarben schwarz-rot-gold
(Gedicht von Ferdinand Freiligrath 1848)
In Kümmernis und Dunkelheit
Da mussten wir sie bergen !
Nun haben wir sie doch befreit,
Befreit aus ihren Särgen.
Ei, wie das blitzt und rauscht und rollt Hurra ! Hurra !
Du Schwarz, du Rot, du Gold
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme !
Das ist das alte Reichspanier!
Das sind die alten Farben !
Darunter hau'n und holen wir
Uns bald wohl junge Narben !
Denn erst der Anfang ist gemacht,
Noch steht bevor die letzte Schlacht
Pulver ist schwarz . . .
Das ist noch lang' die Freiheit nicht,
Wenn man, statt mit Patronen,
Mit keiner andern Waffe ficht
Als mit Petitionen !
Du lieber Gott - Petitioniert
Parlamentiert, illuminiert'
Pulver ist schwarz, . . .
Das ist noch lang' die Freiheit nicht,
Sein Recht als Gnade nehmen
Von Buben, die zu Recht und Pflicht
Aus Furcht nur sich bequemen !
Auch nicht: dass, die ihr gründlich hasst,
Ihr dennoch auf den Thronen lasst !
Pulver ist schwarz . . .
Die Freiheit ist die Nation !
Ist Aller gleich Gebieten !
Die Freiheit ist die Auktion
Von dreißig Fürstenhüten !
Die Freiheit ist die Republik !
Und abermals: die Republik
Pulver ist schwarz . . .
Die eine deutsche Republik,
Die musst du noch erfliegen !
musst jeden Strick und Galgenstrick
Dreifarbig noch besiegen !
Das ist der große, letzte Strauß -
Flieg aus, du deutsch Panier, flieg aus !
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Auf dem Hambacher Fest 1832 wurde das Lied "Fürsten zum Land hinaus – oder: die lustige Treibjagd" gesungen. Der Schriftsteller Fritz Reuter (1810-1874) wurde wegen seiner Mitgliedschaft in einer Burschenschaft und wegen des Verdachtes, er habe dieses Lied in Jena in der Kneipe und auf der Straße gesungen zum Tode durch das Beil verurteilt (dann zu jahrelanger Festungshaft begnadigt). Karte: Deutschland im 19. Jahrhundert
Fürsten, zum Land hinaus !
Fürsten, zum Land hinaus !
Jetzt kommt der Völkerschmaus
Jetzt kommt der Völkerschmaus
Naus, naus, naus, naus
Erst schub den Wiener Hans,
Dann den im Siegerkranz !
Schub! usw.
Wilhelm liebt Bürgermord,
Mit ihm aus Preußen fort,
Schlagt den Hund !
Baierland ans Gewehr !
Ludewig taugt nichts mehr.
Los ! usw.
Sachsen, wo bleibt ihr dann ?
Euer Mitregent muss dran !
Dran ! usw.
Adelig Hanoverland,
Du wirst zur Affenschand.
Pfui ! usw.
Der schönste Schwabenstreich
Ist : Wilhelm aus dem Reich !
Hinaus ! usw.
Zierlicher Kurfürstensohn,
Dein Stündlein läutet schon.
Bim bam !
Oldenburg, schleif die Sens' !
Zieh in die Residenz !
Autsch! usw
Jagt den vermeintlichen
Bürgerlich freundlichen
Weg ! usw.
Mecklenburgs Friedrich Franz,
Schandfleck des Vaterlands !
Hitze ! usw.
Oldenburg, deine Frist
Auch abgelaufen ist.
Tick Tack ! usw.
Weimars souveräne Pupp
Spielt mit der ganzen Trupp.
Pfeift ! usw.
Auch Braunschweigs Wilhelm muss
Knacken die harte Nuss.
Knack ! usw.
Waldeck und Lippe flieht,
Schaumburg und Schwarzburg zieht.
Marsch ! usw.
Hechingen und Sigmaringen
Müssen über die Klinge springen.
Hopsa ! usw.
Reuß, Greiz, Schleitz, Lobenstein
Jagt in ein Mausloch 'nein !
Katz ! usw,
Lichtenstein und Vadutz
Jagt hintendrein zum Utz !
Etsch ! usw.
Jagt über Feld und Au
Nassau und Dessau !
Hussa ! usw.
Homburgs Landgräflein,
Wird das zu fürchten sein ?
Nein ! usw.
Die freien Städte auch
Sind nichts als Bäckerrauch.
Haha ! usw.
Metternich, mit dir,
Rothschild und Staatspapier !
Hep ! usw.
Dem deutschen Bundestag
Werft faule Eier nach !
Kikriki !
Auch dem Reichs-Johannlein
Schlagt gleich die Rippen ein !
Drauf! usw.
Fußvolk und Reisige,
Schlagt alle Dreißige !
Fort ! usw.
Nun ist im Lande Raum ;
Pflanzet den Freiheitsbaum !
Hoch ! usw.
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Ich bin ein guter Untertan (mp3)
Text: Adolf Glaßbrenner - um 1848
Ich bin ein guter Untertan,
Das leidet keinen Zweifel
Mein Fürst, das ist ein frommer Mann,
O wär' er doch beim teu-
ren Volke immer,
so würd' es niemals schlimmer.
Wir haben ihn wohl of betrübt,
doch nimmermehr belogen,
Er sagte, dass er uns geliebt,
doch hat er uns betro-
ffen oft auf Taten,
die er uns nicht geraten.
Die Staatsbeamten taten recht,
sie wahrten seine Rechte,
und der war ihm der liebste Knecht,
der sich recht viel erfre-
freulich zu uns neigte
und Mitleid uns bezeigte.
Der Schwur, den er geleistet hat,
Erfüllung alles dessen,
Was seine Pflicht an Gottes statt,
Den hat er ganz verge-
bens halten wollen,
Es hat nicht glücken sollen.
Die Polizei, die dazu da,
Das wilde Volk zu zügeln,
Dich möchte ich nur einmal, ja,
So recht von Herzen prü-
fen und dich fragen,
Wer über dich könnt' klagen.
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Zur deutschen Auswanderung nach Amerika im 19. Jahrhundert
Heil dir, Columbus, sei gepriesen,
Sei hoch geehrt in Ewigkeit!
Du hast mir einen Weg gewiesen,
Der mich von harter Dienstbarkeit,
Errettet hat, wenn man es wagt
Und seinem Vaterland entsagt.
Hier ist der Mensch an nichts gebunden,
Was er erwirbt, gehört auch sein,
Die Steuern sind noch nicht erfunden,
Die unser Leben machen zur Pein.
Wer redlich schafft der hat sein Brot,
Er leid't kein Mangel und kein' Not.
Befreit bin ich von der Beschwerde,
Die in Europa euch bedrückt
Und täglich tut es besser werden,
Wohin auch nur das Auge blickt.
Amerika bietet Freundlichkeit,
Dem Armen an und Seligkeit.
Hier in Amerikas freiem Lande,
Da habens wir kein' Adelsstand
Da ist der Mensch von jedem Stande
Als Mensch auch wahrhaft anerkannt.
Hier gilt der Graf und der Baron
Nicht mehr als wie der Bauernsohn.
Wir haben hier auch zum Exempel
In dem gelobten Lande hier,
Auch das Geringste nicht vom Stempel
Auf jeden Bogen Schreibpapier.
Wir haben keine Steuern hier
Auf Wein und Branntenwein und Bier.
Ach Bruder, kannst du's nur bezwecken
Reicht dein Vermögen nur soweit,
So las dich doch die Reis' nicht schrecken,
Und mach zur Abfahrt dich bereit.
Hier wirst du von der Steuerpein
Auf ewig wohl befreiet sein.
Bedenke nur, wie ihr tut leben,
Bedenke nur das teure Holz,
Auch Steuern müsst ihr so viel geben
Das Salz trägt einen großen Zoll,
Für jede Scholle müsst ihr zinsbar sein,
Ist das dem Bauern nicht die Höllenpein?
Bedenk' nur, wie der Reiche lebet
In seinem großen Überfluss
Und wie er sich damit erhebet,
Weil ihm der Arme zinsen muss,
Legt er die Hand ihm untern Fuß,
Der Arme ihm doch zahlen muss.
Nun will ich dieses Lied beschließen,
Will Deutschland sagen gute Nacht,
Und sollt' es jemand besser wissen,
so steht's in seiner eigenen Macht.
ich aber denk, 's ist gut gedacht,
Drum sag'ich Deutschland gute Nacht!
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eine gute Einführung in die Ereignisse des Jahres 1848 findet sich beim Geschichtsverein Koengen
(Gedicht von Ferdinand Freiligrath)
Das war 'ne heiße Märzenzeit
Trotz Regen, Schnee und alledem!
Nun aber, da es Blüte schneit,
Nun ist es kalt, trotz alledem!
Trotz alledem und alledem -
Trotz Wien, Berlin und alledem,
Ein schnöder, scharfer Winterwind
Durchfröstelt uns trotz alledem!
Die Waffen, die der Sieg uns gab,
Der Sieg des Rechts trotz alledem,
Die nimmt man sacht uns wieder ab,
Samt Kraut und Lot und alledem !
Trotz alledem und alledem -
Trotz Parlament und alledem -
Wir werden unsre Büchsen los
Soldatenwild trotz alledem !
Doch sind wir frisch und wohlgemut
Und zagen nicht trotz alledem !
In tiefer Brust des Zornes Glut,
Die hält uns warm, trotz alledem !
Trotz alledem und alledem,
Es gilt uns gleich trotz alledem !
Wir schütteln uns, ein garst'ger Wind,
Doch weiter nichts, trotz alledem !
So füllt denn nur der Mörser Schlund
Mit Eisen Blei und alledem:
Wir halten uns auf unserm Grund,
Wir wanken nicht trotz alledem,
Trotz alledem und alledem,
Und macht ihr' s gar, trotz alledem,
Wie zu Neapel dieser Schuft:
Das hilft erst recht, trotz alledem !
Nur was zerfällt, vertretet ihr !
Seid Kasten nur, trotz alledem !
Wir sind das Volk, die Menschheit wir!
Sind ewig drum, trotz alledem,
Trotz alledem und alledem !
So kommt denn an, trotz alledem !
Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht -
Unser die Welt, trotz alledem !
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Es ist wieder März geworden
Volkslied,
entstanden nach der verlorenen "Märzrevolution 1848/49
(mp3: Zupfgeigenhansel - 's
wieder März geworden (youtube))
´s ist wieder
März geworden
vom Frühling keine Spur!
Ein kalter Hauch aus Norden
erstarret rings die Flur
's ist wieder März geworden -
März, wie es eh'dem war:
Mit Blumen, mit verdorrten,
erscheint das junge Jahr
Mit Blumen, mit verdorrten?
O nein, doch das ist Scherz -
gar edle Blumensorten
bringt blühend uns der März
Seht doch die Pfaffenhütchen:
den Rittersporn, wie frisch!
Von den gesternten Blütchen -
welch farbiges Gemisch!
Der März ist wohl erschienen.
Doch ward es Frühling? - nein!
Ein Lenz kann uns nur grünen
im Freiheitssonnenschein
Seht hier den Wütrich thronen,
beim Tausendgüldenkraut,
dort jene Kaiserkronen
die Königskerze schaut!
Wie zahlreich die Mimosen
das Zittergras wie dicht
Doch freilich rote Rosen
die kamen diesmal nicht.
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Mein Deutschland strecke die Glieder
Text:
Georg Herwegh - Februar 1849
Mein Deutschland, strecke die Glieder
Ins alte Bett, so warm und weich;
Die Augen fallen dir nieder,
Du schläfriges deutsches Reich.
Hast lange geschrien dich heiser
Nun schenke dir Gott die ewige Ruh!
Dich spitzt ein deutscher Kaiser
Pyramidalisch zu.
O Freiheit, die wir meinen,
O deutscher Kaiser, sei gegrüßt!
Wir haben auch nicht einen
Zaunkönig eingebüßt.
Sie sind uns alle verblieben;
Und als wir nach dem Sturm gezählt
Die Häupter unsrer Lieben,
Kein einziges hat gefehlt.
Deutschland nimmt nur die Hüte
Den Königen ab, das genügt ihm schon;
Der Deutsche macht in Güte
Die Revolution.
Die Professoren reißen
Uns weder Thron noch Altar ein;
Auch ist der Stein der Weisen
Kein deutscher Pflasterstein.
Wir haben, was wir brauchen;
Gesegnet sei der Völkerlenz!
Wir dürfen auch ferner rauchen
In unsrer Residenz.
Wir haben Wrangels Säbel,
Berlin und seinen Wolkensteg;
Das Maultier sucht im Nebel
Noch immer seinen Weg.
Wie freun sich die Eunuchen!
Die bilden jetzo den ersten Stand,
Der Welcker frisst die Kuchen
Den Königen aus der Hand.
Du hältst dir einen Gesandten,
Deutschland, im Stillen Ozean
Und fühlest den Elefanten
In Indien auf den Zahn.
Die Fragen sind erledigt,
Die Pfaffen machen bim bam bum;
Den Armen wird gepredigt
Das Evangelium.
Wir bauen dem lieben Gotte
Den hohen Dom zu Cöllen aus
Und geben eine Flotte
Auf Subskription heraus.
Die schwarz-rot-goldnen Wimpel
Besorgt der Jakob Venedey,
Als Wappen nahm er den Gimpel,
Sein eignes Konterfei.
Fünfhundert Narrenschellen
Zu Frankfurt spielen die Melodie
Das Schiff streicht durch die Wellen
Der deutschen Phantasie.
Karikatur "Deutschlands Einheit in Arbeit der Reichsschneiderei zu Frankfurt"
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Friedrich
Karl Franz Hecker (* 28. September 1811; † 24. März 1881 in
Summerfield/Illinois) war ein deutscher Rechtsanwalt, Politiker und
Revolutionär. Hecker war einer der populärsten Redner und Agitatoren
der Märzrevolution von 1848 in Nordbaden und Anführer des gescheiterten
Heckeraufstands während der
Badischen Revolution.
Es klingt ein Name stolz und prächtig
Im ganzen deutschen Vaterland;
Und jedes Herz erzittert mächtig.
Wenn dieser Name wird genannt
Ihr kennt ihn wohl, den edlen Mann:
Es lebe Hecker – stoßet an!
Wir wurden lang genug beraten,
Hinweg mit jedem feigen Rat!
Wir wollen Männer, wollen Taten,
Und Hecker ist der Mann der Tat
Der kühn für Freiheit kämpfen kann
Es lebe Hecker – stoßet an!
Wir wollen nichts vom Frieden hören,
Bis durchgekämpft der letzte Krieg,
Wir lassen nimmer uns betören,
Die Losung ist: Tod oder Sieg!
Und der mit Mut uns geht voran:
Es lebe Hecker – stoßet an!
Die Scharen jener feigen Lumpen
Verachten wir für alle Zeit,
Sie ehrten ihn bei vollen Humpen
Und verließen ihn beim Streit.
Die Volksacht tut sie in den Bann.
Es lebe Hecker – stoßet an!
Die Freiheit ist noch nicht verloren;
Bald in des Ruhmes Flammenschein
Zieht er durch festgeschmückte Tore
Erneut im Vaterlande ein.
Und allerwärts ertönt es dann:
Es lebe Hecker – stoßet an!
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Ludwig Pfau schrieb im Jahr 1849 nach der blutigen Niederschlagung der Badischen Revolution durch preußische Truppen das Badische Wiegenlied. Der Text wurde erstmalig am 8. Dezember 1849 im "Eulenspiegel" veröffentlicht.
Schlaf mein Kind schlaf leis,
dort draußen geht der Preuß
Deinen Vater hat er umgebracht,
deine Mutter hat er arm gemacht
Und wer nicht schläft in guter Ruh,
dem drückt der Preuß die Augen zu.
Schlaf mein Kind schlaf leis,
dort draußen geht der Preuß.
Schlaf mein Kind schlaf leis,
dort draußen geht der Preuß
Der Preuß hat eine blutge Hand,
die streckt er übers märksche Land.
Wir alle müssen stille sein,
als wie dein Vater unterm Stein.
Schlaf mein Kind schlaf leis,
dort draußen geht der Preuß.
Schlaf mein Kind schlaf leis,
dort draußen geht der Preuß
Gott aber weiß wie lang er geht,
bis daß die Freiheit aufersteht
-Und wo dein Vater liegt, mein Schatz,
da hat noch mancher Preuße Platz!
Schrei mein Kindlein schrei leis,
dort draußen liegt der Preuß!
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Was zieht dort zur Brigittenau im blutigen Morgenrot
Was zieht dort zur Brigittenau
Im blut'gen Morgenrot?
Das sind die kroatischen Jäger
Die führen den Fahnenträger
Der Freiheit hin zum Tod.
Sie haben ihn gefangen
Trotz Recht und Reichsgesetz
Es hat ihm das Urteil gesprochen
Es hat ihm den Stab gebrochen
Der Mörder Windischgrätz.
Zum Richtplatz sie ihn führen
Ihn schreckt nicht Tod noch Grab;
Doch als er denkt der Lieben
Die ihm daheim sind geblieben
Fällt still eine Träne herab.
Die Träne für Weib und Kinder
Entehret keinen Mann
Lebet wohl! Jetzt gilt es zu sterben
Für die Freiheit Herzen zu werben
Ihr Jäger, wohlauf, schlagt an!
Er schlingt sich selbst die Binde
Wohl um der Augen Licht:
0 du Deutschland, für das ich gestritten
Für das ich im Leben gelitten
Verlass die Freiheit nicht.
Es krachen die Gewehre
Im Blute liegt der Held
Es haben die Büchsen der Jäger
Der Freiheit Fahnenträger
Den Robert Blum gefällt.
Der Fähnrich ist erschlagen,
Es fiel der Robert
Blum.
Auf Brüder, die Fahne zu retten
Der Freiheit aus Banden und Ketten
Zu Deutschlands Eigentum!
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Ausgelitten, ausgerungen
hast du endlich, deutsches Herz -
Gut, daß er einmal verklungen,
dieser deutsche Freiheitsmärz !
Gut, daß wir geworden kühler,
wie es zum Dezember paßt.
Unsere freiheitstrunkenen Wühler
waren uns von je verhaßt.
Gut, daß wir jetzt ohne Zittern
nehmen jedes Blatt zur Hand,
uns das Leben nicht verbittern
um das liebe Vaterland.
Gut, daß möglich ist geworden,
wie' s zur guten Zeit doch war,
zu erhalten einen Orden,
oder einen Titel gar.
Gott sei Dank, daß alles wieder
nun zur Ordnung kehrt zurück:
Nur vom Throne träufelt nieder
wie vom Himmel Heil und Glück.
Weg mit allen Barrikaden!
Weg mit aller Bürgerwehr!
Hoch der Herr "von Gottes Gnaden"!
Hoch sein sieggewohntes Heer!
Mit der Friedenspfeif' im Munde,
geht' s ins Bierhaus auf die Wacht,
trinkt man bis zur Bürgerstunde,
und dann - Freiheit, gute Nacht!
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1873 schreibt
Georg
Herwegh anlässlich des 25. Jahrestags der Revolution von 1848 ein Gedicht:
Achtzehnhundert vierzig und acht,
Als im Lenze das Eis gekracht,
Tage des Februar, Tage des Märzen,
Waren es nicht Proletarierherzen,
Die voll Hoffnung zuerst erwacht
Achtzehnhundert vierzig und acht?
Achtzehnhundert vierzig und acht,
Als du dich lange genug bedacht,
Mutter Germania, glücklich verpreußte,
Waren es nicht Proletarierfäuste,
Die sich ans Werk der Befreiung gemacht
Achtzehnhundert vierzig und acht?
Achtzehnhundert vierzig und acht,
Als du geruht von der nächtlichen Schlacht,
Waren es nicht Proletarierleichen,
Die du, Berlin, vor den zitternden bleichen
Barhaupt grüßenden Cäsar gebracht
Achtzehnhundert vierzig und acht?
Achtzehnhundert siebzig und drei,
Reich der Reichen, da stehst du, juchhei!
Aber wir Armen, verkauft und verraten,
Denken der Proletariertaten-
Noch sind nicht alle Märze vorbei,
Achtzehnhundert siebzig und drei
Viele andere demokratische Liedertexte finden sich im Volksliederarchiv (*****)
gclasen, 28.04.2009