
Imperialismus
M1: Carl Peters, deutscher Kaufmann und Gründer des sogenannten Schutzgebietes Deutsch-Ostafrika:
„Der Kampf ums Dasein
wird auf ewig Sieger und Besiegte haben, er wird mit der Schmälerung
des Nähr- und Ellbogenraumes für die
Individuen stets heftiger werden. Diesen Kampf durch einen allgemeinen
Friedensschluss zu beseitigen, ist ein frommer Wunsch, dem es in der Geschichte
wie im Wesen der Menschheit an jeder Voraussetzung fehlt. . . . Die Kolonialpolitik will nichts anderes, als
die Kraftsteigerung und Lebensbereicherung der stärkeren, besseren Race, auf
Kosten der schwächeren, geringeren, die Ausbeutung der nutzlos aufgespeicherten
Reichthümer dieser im Dienste des Kulturfortschrittes jener. Es ist ein
Irrthum, der gerade dem Deutschen naheliegt und der deshalb um so unzweideutiger
zurückgewiesen werden muss, wenn man
meint, die Kolonialpolitik bezwecke allein die moralische und materielle Hebung
fremder Volksstämme. Sie soll weitblickend genug sein, um sich diese Aufgabe
als ein hervorragendes Mittel zum Zweck zu stellen. Dieser ist und bleibt aber
schließlich die rücksichtslose und entschlossene Bereicherung des eigenen
Volkes auf anderer schwächerer Völker Unkosten.
Zitiert nach: Ludwig Helbig: Imperialismus. Das deutsche
Beispiel. Frankfurt a. M. 1975. S. 76 f.
M2 : Rudyard Kipling, englischer Schriftsteller (1907
Nobelpreis Literatur)
Nehmt auf euch des weißen Mannes Bürde
schickt die Besten, die ihr aufzieht,
hinaus.
Auf, gebt eure Söhne in die
Verbannung,
der Notdurft eurer Gefangenen zu
dienen.
Lasst sie schwer gerüstet wachen
über eine Menge, wankelmütig und wild
eure frisch eingefangenen, tückischen
Völkerschaften,
die halb noch Kinder sind, halb
Teufel.
Nehmt auf euch des weißen Mannes Bürde
Gebt den hungrigen Mäulern zu essen
Und gebietet der Seuche Einhalt.
Wenn ihr dann dicht vor dem Ziele steht,
seht zu, wie die Faulheit und
heidnischer Irrwahn
Eure ganze Hoffnung zerstören.
Nehmt auf Euch des weißen Mannes Bürde
Erntet, was von jeher sein Lohn war.
Den Tadel derer, die er behütet
M3: Gabriel Hanotaux, französischer
Außenminister
"
Bei der Ausdehnung Frankreichs
handelt es sich nicht um Eroberungs- oder Machtpolitik, sondern darum, jenseits
der Meere in Landstrichen, die gestern barbarisch waren, die Prinzipien einer
Zivilisation zu verbreiten, deren sich zu rühmen eine der ältesten Nationen des
Globus wohl das Recht besitzt. Es handelt sich darum, in der Nähe und in der
Ferne ebenso viele neue Frankreiche zu schaffen.
Es handelt sich darum, unsere Sprache,
unsere Sitten, unser Ideal, den französischen und lateinischen Namen inmitten
der stürmischen Konkurrenz der anderen Rassen, die alle auf demselben Weg
marschieren, zu schützen. Die französische Ausdehnung hatte zu allen Zeiten zivilisatorischen
und religiösmissionarischen Charakter...
Die kolonisatorische
Mission Frankreichs ist so alt wie seine Geschichte. Es gehört zu seiner Tradition,
die verspäteten Völker in seinem Gefolge mitzunehmen. Die wirkliche
Kolonisation ist die Opfergabe, die das Mutterland den jungen Völkern, seinen
Kindern und sich selber reicht.
Frankreichs Aufgabe ist die
intellektuelle und moralische Evangelisation der Völker... Wenn die
Kunst, die Literatur, die Sprache, der
Geist Galliens nicht ausgesät worden wären, der Rest des
Universums wäre unfruchtbar geblieben.
Frankreich hat seine geistigen Töchter in alle Winkel des Planeten hinaus gesandt."
M4: Cecil Rhodes, 1890-96
Premierminister der Kapkolonie 1895
„ich war gestern im Eastend von London
und besuchte eine Arbeiterversammlung. Als ich nach den dort gehörten wilden
reden, die
nur ein Schrei nach Brot waren, nach Hause ging, da war ich von der Wichtigkeit
des Imperialismus mehr denn je überzeugt. Meine große Idee ist die Lösung des
sozialen Problems, d.h. um die 40 Millionen Einwohner des Vereinigten
Königreichs vor einem mörderischen Bruderkrieg zu schützen, müssen wir
Kolonialpolitiker neue Länder erschließen, un den Überschuss der Bevölkerung
aufzunehmen, und neue Absatzgebiete zu schaffen für die waren, die sie in ihren
Fabriken und Minen erzeugen. Das Empire, das habe ich stets gesagt, ist eine
Magenfrage. Wenn sie den Bürgerkrieg nicht wollen, müssen sie Imperialisten
werden.“
M5: Der russische Dichter Dostojewski
„Jedes Volk, das lange leben will,
glaubt, muss glauben, dass in ihm und nur in ihm allein das Heil der Welt ruhe,
dass es nur dazu lebe, um an der Spitze anderer Völker zu stehen…Ein großes
Volk kann sich niemals mit einer Rolle zweiten Ranges in der Menschheit
begnügen, nicht einmal mit einer solchen ersten Ranges, sondern es verlangt
unbedingt und ausschließlich den ersten Platz einzunehmen, und zwar entspringt
dieser Glaube in Russland dem Lebensgefühl, nicht der theoretischen Erkenntnis
wir bei anderen Völkern Europas.“
Arbeitsaufträge:
Es handelt sich bei den Quellenauszügen
um zeitgenössische Legitimierungsversuche der imperialistischen Politik aus
verschiedenen Ländern
1. Markieren
Sie vor diesem Hintergrund die Schlüsselwörter der jeweiligen Äußerungen.
2. Formulieren
Sie die Kernaussagen der Autoren in Thesenform.
3. Finden
Sie Oberbegriffe für die einzelnen Begründungen imperialistischer Politik und
ordnen Sie die Thesen diesen zu.
4. Interpretieren
Sie in diesem Zusammenhang die Karikaturen.